Jetzt Kitze retten

Lokal aus dem Bliesgau · Ehrenamtlich.

Setzzeit · 15. April – 15. Juli

Bevor der Mäher kommt: wir retten Kitze.

Im Frühjahr drücken sich Rehkitze ins hohe Gras – statt zu fliehen. Unsere Wärmebild-Drohnen finden sie aus der Luft, bevor die Mahd beginnt. Lokal aus Niedergailbach. Für den Bliesgau.

Gemeinnützig Bliesgau · Saarland
Foto: Unsplash · Pre-Launch
Wiese im Morgenlicht — typische Bliesgau-Landschaft vor der Mahd 04:32 Uhr · Wiese vor der Mahd
Ein Morgen im Mai

Es ist halb fünf, der Bliesgau liegt unter Nebel.

Am Hof in Niedergailbach packt das Team die Drohne aus. Auf der Wiese gegenüber soll heute gemäht werden, drei Hektar, der Mähbalken kommt um sieben. Die Nacht war kühl – das ist gut. Kühlere Wiese heißt: jedes warme Lebewesen darin tritt deutlich hervor.

Der Pilot startet, die Wärmebildkamera schaltet sich ein. Auf dem Display erscheinen weiße Punkte – Mäuse, Vögel. Und dann, am östlichen Rand der Wiese, ein größerer Fleck. Nicht rund. Länglich. Ein Kitz. Das Team läuft hin, markiert die Stelle mit einem Grasbüschel, setzt einen Korb darüber.

Eine halbe Stunde später ist die Wiese komplett abgeflogen. Drei Kitze gesichert. Der Landwirt fährt seinen Schlepper an, das Team trinkt Kaffee aus Thermoskannen. Nach der Mahd kommen die Markierungen weg, die Ricken holen ihre Jungen zurück. So sieht ein guter Morgen aus.

Das Problem

Warum Kitze die Mahd selten überleben.

Rehkitze haben in ihren ersten Lebenswochen keinen Fluchtinstinkt. Sie ducken sich ins hohe Gras und vertrauen darauf, dass ihre Tarnung sie schützt. Gegen einen Mähbalken wirkt diese Strategie tödlich – ausgerechnet die Setzzeit im Mai und Juni fällt mit der ersten Mahd zusammen.

Klassische Methoden – Absuchen zu Fuß, Vergrämen, Scheuchen – helfen nur bedingt. Eine Wiese mit hüfthohem Bewuchs ist groß, das Zeitfenster vor der Mahd kurz, und ohne Hilfsmittel bleibt vieles unentdeckt.

Unsere Antwort

Wärmebild aus der Luft. Sicherung am Boden.

In den frühen Morgenstunden – wenn die Wiese kühl ist und Kitze deutlich gegen den Boden hervortreten – fliegen unsere Wärmebild-Drohnen die Fläche systematisch ab. Die Kamera meldet jedes warme Lebewesen, ein Team am Boden sichert oder markiert die Kitze. Nach der Mahd kehren sie zu den Ricken zurück.

Rehkitze ducken sich bei Gefahr und verharren regungslos. Sie besitzen keinen Fluchtinstinkt. — Sebastian Oberinger, 1. Vorsitzender
So läuft ein Einsatz

Vier Schritte vom Anruf bis zur freigegebenen Wiese.

Wiese anmelden

Landwirt meldet Fläche und Mähtermin 3–5 Tage im Voraus.

Flug im Morgengrauen

Die Drohne fliegt mäanderförmig, das Team folgt zu Fuß.

Sichern & Markieren

Gefundene Kitze werden abgedeckt oder in Kisten umgesetzt.

Freigabe zur Mahd

Erst wenn alle Bereiche geprüft sind, ist die Fläche frei.

Wirkung seit 2023

Was passiert, wenn Wiese und Wärmebild zusammenarbeiten.

Seit der Gründung im November 2023 stehen unsere Teams Saison für Saison im Morgengrauen auf den Wiesen des Bliesgaus. Jeder Einsatz bedeutet Stunden Vorbereitung, Koordination mit Landwirten – und im besten Fall: gerettete Leben.

Hunderte Hektar.

Von Niedergailbach bis ins südliche Bliestal – jeden Frühling neu.

Dutzende Kitze.

Plus Dammwild, Fasanengelege und andere Wildtiere.

BMEL-gefördert.

Die Anschaffung der Wärmebild-Technik wurde durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft gefördert.

Ehrenamtliches Team.

Pilot:innen, Suchhelfer, Organisation – alle arbeiten unbezahlt. Spenden fließen direkt in die Arbeit.

Für Landwirte & Jagdpächter

Wiese melden im Bliesgau – so geht's.

Kurz

E-Mail an kitzrettung@niedergailbach.com mit Lage, Größe und Mähtermin (3–5 Tage Vorlauf). Kostenfrei. Geltungszeitraum: 15. April – 15. Juli.

Wann melden?

  • 3–5 Tage vor der Mahd – damit wir den Flug planen können.
  • Sobald der Mähtermin feststeht.
  • Bevorzugt während der Setzzeit Mai & Juni.

Was wir brauchen

  • Lage der Fläche (Flurstück, Karte oder Treffpunkt).
  • Ungefähre Größe.
  • Geplanter Mähtermin und Uhrzeit.
  • Kontakt für die Abstimmung am Vorabend.

So läuft's ab

  1. Kontaktaufnahme & Terminabstimmung.
  2. Drohnenflug in den frühen Morgenstunden.
  3. Sicherung der Kitze durch unser Team.
  4. Freigabe – dann darf gemäht werden.

Was du nicht zahlst

  • Einsätze sind kostenfrei für Landwirte.
  • Spenden halten das in Zukunft so.
  • Steuerlich absetzbare Spendenquittung möglich.
Team der Kitzrettung Niedergailbach beim Drohneneinsatz im Bliesgau Team Kitzrettung Niedergailbach · Drohneneinsatz
Mithelfen

Mit anpacken statt nur zuschauen.

Wir suchen Menschen, die früh aufstehen können, gerne draußen sind und mit anpacken: ob beim Wiesensuchen, beim Drohnenflug oder hinter den Kulissen.

Bitte Vornamen eintragen.
Bitte Nachnamen eintragen.
Bitte gültige E-Mail-Adresse.
Ich interessiere mich für…
Über uns

Ein Verein aus dem Bliesgau, für den Bliesgau.

Gegründet am in Niedergailbach, Ortsteil der Gemeinde Gersheim. Wir arbeiten rein ehrenamtlich – ohne bezahlte Stellen, ohne Verwaltungsapparat. Unsere Motivation: Tiere schützen und Landwirten den Rücken stärken, damit Kulturlandschaft und Wildtierschutz zusammen funktionieren.

Wir kooperieren eng mit Landwirten, Jagdpächterinnen, der Gemeinde Gersheim und dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, das die Anschaffung unserer Wärmebild-Technik gefördert hat.

  • Tierschutz mit Hand & FußKonkret, praktisch, ehrenamtlich. Keine Symbolpolitik.
  • Auf Augenhöhe mit LandwirtenWir reden nicht über, sondern mit den Höfen. Vertrauen kommt erst.
  • Transparent & gemeinnützigJeder Euro fließt in Einsätze. Keine bezahlten Stellen, kein Verwaltungsapparat.
Selbst dazustoßen? Vereinsmitgliedschaft, Sachspende oder Helfer:in.
Mithelfen
FAQ

Häufige Fragen.

Wie melde ich meine Wiese?

Schreib uns eine E-Mail an kitzrettung@niedergailbach.com oder nutze das Formular unter „Mithelfen". Wichtig: Lage, Größe und Mähtermin (3–5 Tage Vorlauf).

Was passiert mit den gefundenen Kitzen?

Wir markieren oder sichern sie für die Dauer der Mahd – mit einem Grasbüschel als Sichtmarke oder einer offenen Transportkiste. Direkt nach der Mahd wird die Sicherung aufgehoben, die Ricke findet ihr Kitz wieder. Wir nehmen Kitze nicht mit nach Hause.

Darf jede:r bei der Kitzrettung mitmachen?

Ja – wir brauchen Menschen, die früh aufstehen können, gerne draußen sind und keine Angst vor nassen Wiesenstiefeln haben. Drohnenpilot:innen mit Erfahrung sind besonders willkommen, genauso wichtig sind Helfer:innen, die suchen, tragen oder organisieren.

Wie wird sichergestellt, dass andere Tierarten nicht gestört werden?

Wir fliegen niedrig und systematisch, nur in den Morgenstunden und nur über zu mähenden Flächen. Brutvögel und andere Bodenbrüter werden so wenig wie möglich gestört. Die saarländische Allgemeinverfügung enthält zusätzlich Schutzauflagen.

Wie wird mit den Spenden umgegangen?

Wir sind als gemeinnütziger Verein eingetragen. Alle Einnahmen fließen direkt in die Arbeit – Akku-Sätze, Wartung der Drohnen, Versicherung, Schulungen, Anfahrt. Niemand bei uns wird bezahlt.

Ist der Einsatz für Landwirte kostenpflichtig?

Nein. Unsere Einsätze sind für Landwirtinnen und Landwirte kostenfrei. Wir finanzieren uns aus Spenden, Förderungen und Eigenleistung.

Braucht ihr Drohnen-Genehmigungen?

Ja. Unsere Pilot:innen verfügen über den notwendigen EU-Kompetenznachweis. Die Einsätze finden im Rahmen der saarländischen Allgemeinverfügung statt, die seit Mai 2026 gilt.

Seid ihr identisch mit der Rehkitzrettung Saarland?

Nein. Die Rehkitzrettung Saarland e. V. ist eine eigene, saarlandweit tätige Organisation. Wir sind der lokale Bliesgau-Verein, koordinieren uns aber gerne mit ihnen.